Synopsis
Im Januar 1978 veröffentlicht das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL ein "Manifest der ersten organisierten Opposition in der DDR". Unter der Überschrift "Wir sind gegen die Einparteien-Diktatur" wird nicht nur die Politik der SED-Spitze um Erich Honecker heftig kritisiert. Das Pamphlet verlangt überdies Reformen in der DDR und fordert die Wiedervereinigung Deutschlands. Verfasser des Pamphlets ist ein anonymer "Bund Demokratischer Kommunisten Deutschlands" (BDKD), der aus "mittleren und höheren SED-Funktionären" besteht, wie DER SPIEGEL schreibt.
Die Veröffentlichung sorgt für massive politische Unruhe in beiden deutschen Staaten. Die SED schließt das SPIEGEL-Büro in Ostberlin und sucht fieberhaft nach den Verfassern. In der Bundesrepublik befassen sich gleich zwei Bundestagsdebatten mit dem Papier. Die deutsch-deutschen Gespräche werden belastet. Sowjetchef Breschnew zitiert hochrangige SED-Funktionäre zum Rapport nach Moskau. Die USA reagiert irritiert.
Das so genannte SPIEGEL-Manifest mit seinen ketzerischen Ideen lieferte Stichworte, die in den 80er Jahren von der Opposition der Kirchen- und Umweltgruppen aufgegriffen wurden: Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit, Parteienpluralismus. Und: Dieses Manifest setzte 10 Jahre vor dem Mauerfall die deutsche Einheit auf die politische Tagesordnung: "Man kann nicht 17 Millionen lebenslänglich einsperren…Wir sind für ein Konzept, das auf die Wiedervereinigung Deutschlands zielt."
Die TV-Doku "Störmanöver Deutsche Einheit" rekapituliert die Ereignisse um die SPIEGEL-Veröffentlichungen des ostdeutschen "Geheimbundes". Letztmalig in der Geschichte der DDR sorgte hier eine Gruppe von SED-Reformern für Aufruhr in Ost- wie Westdeutschland. Ihr Versuch, den Menschen diesseits der Elbe eine demokratische und gesamtdeutsche Perspektive zu ermöglichen, war von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Crew
Buch & Regie: Matthias Hoferichter, Sven Hecker
Kamera: Thomas Simon (Peter Badel, Thomas Lütz, Michael Senft, Peter Schloemer)
Schnitt: Marcello Berrini
Ton: Michael Senft (Thomas Weber, Kay Brand)
Sprecher: Hansi Jochmann
Redaktion: Jens Stubenrauch
Produktionsleitung: Peter Effenberg
Produzent: Olaf Jacobs
© 2008 Hoferichter & Jacobs Produktion in Koproduktion mit dem RBB. Mit der Unterstützung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur