Hacker
D - 2009 - 79 min
Regie: Alexander Biedermann
Autor: Alexander Biedermann und Matt Sweetwood
Kamera: Peter Badel, Axel Rothenburg
in Koproduktion mit ZDF/3sat, ausgewählt im Rahmen der Ausschreibung
„Mein Leben in Sicherheit“; ausgezeichnet mit dem Bremer Dokumentarfilmförderpreis
des Filmbüros Bremen
Anhand fünf eigenwilliger Persönlichkeiten entwirft Alexander Biedermann
ein filmisches Kaleidoskop, das einen modernen Mythos von innen heraus durchleuchtet
und hinterfragt, was es bedeutet, Hacker zu sein.
Gefördert von
Der Hacker – einst „Robin Hood“ der Datennetze, heute Plagegeist, gar „Datenterrorist“
im Untergrund des globalen Netzes. Jedes Jahr verbreiten sich Unmengen neuer Viren und
Würmer, die für Schäden in Milliardenhöhe sorgen. Doch der Hacker ist ein ambivalentes
Wesen. Einerseits für sein Spezialwissen gefürchtet und verfolgt, verdient die
IT-Sicherheitsindustrie Milliarden mit Hackern und der durch ihre Existenz erzeugten
Internetgefahr. Zugleich werden fähige Hacker von der Industrie angeworben, um Sicherheits
-Software, Anti-Viren-Programme und Firewalls zu entwickeln, die das Internet vor Viren,
Würmern und gefährlichen Hackeraktivitäten schützen soll. Eine paradoxe Situation. Was
ist der Hacker also heute noch, mehr „Datenterrorist“, eher „Robin Hood“ oder einfach nur
Angestellter mit Urlaubsanspruch und Rentenversicherung?
Der Hacker – einst entdeckte er als neuer „Kolumbus“ die digitale Welt, fühlte sich wie ein
moderner „Robin Hood“, wenn es gegen die Großen und Mächtigen wie Microsoft und IBM ging.
Mit der Zeit veränderte sich dieses Bild. Der Hacker wurde zum Plagegeist des Informationszeitalters,
im Zuge der Terrorbekämpfung gar zum „Datenterroristen“, eine unberechenbare Gefahr aus dem Untergrund
des allumfassenden Netzes. 2009 erließ die deutsche Bundesregierung einen weiteren „Hackerparagraphen“,
der Hackern noch gezielter das Handwerk legen soll.
In der Öffentlichkeit wird der Hacker als Krimineller wahrgenommen. Laut einer Studie des Bundesamtes
für Sicherheit in der Informationstechnik glauben über 90% der Computernutzer, dass technische Probleme
im Internet durch Hacker verursacht werden. Jedes Jahr verbreiten sich Unmengen neuer Viren und Würmer,
die für Schäden in Milliardenhöhe sorgen. Die Gefahr, dass einer dieser Schädlinge in Systeme des Militärs,
der weltweiten Transportsysteme oder der Energiegewinnung eindringen und empfindliche Störungen verursachen
könnte, steigt laut Medienberichten täglich. Die Folgen können schwerwiegend sein. Dass auch sichere Großrechner
anfällig sind, haben deutsche Hacker bereits Ende der 80er Jahre bewiesen, als sie die Rechensysteme des
Kernforschungszentrums CERN und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA unterwanderten.
Seitdem gab es immer wieder prominente Zwischenfälle.
Doch der Hacker ist ein ambivalentes Wesen. Einerseits für sein Spezialwissen gefürchtet und verfolgt,
verdient die IT-Sicherheitsindustrie Milliarden mit Hackern und der durch ihre Existenz erzeugten
Internetgefahr. Zugleich werden fähige Hacker von der Industrie angeworben, um Sicherheits-Software,
Anti-Viren-Programme und Firewalls zu entwickeln, die das Internet vor Viren, Würmern und gefährlichen
Hackeraktivitäten schützen soll. Eine paradoxe Situation. Was ist der Hacker also heute noch, mehr
„Datenterrorist“, eher „Robin Hood“ oder einfach nur Angestellter mit Urlaubsanspruch und
Rentenversicherung?
Der Film stellt Hacker vor, die Erklärungen für ihre merkwürdige Situation haben. Menschen treten
vor die Kamera, deren Lebenszustände so kurios wie überraschend sind: Steffen Wernery und Reinhard
Schrutzki gehören zu der ersten Hacker-Generation. Sie haben sich damals als Pioniere eines neuen
Zeitalters zusammengefunden und waren Mitbegründer des Chaos Computer Clubs. Sie sind die Hacker
von damals, die den legendären NASA-Hack mitzuverantworten haben und heute mit den Spätfolgen kämpfen.
Irgendwann holten sie die Ereignisse sowie staatliche und gegenseitige Verdächtigungen ein. Heute
ist Steffen Wernery Schutzraumwart in Hamburg und Reinhard Schrutzki geht seiner Arbeit als
IT-Techniker nach. Was ist geblieben vom Pioniergeist?
Die Hacker der Gegenwart wie Marko Rogge oder Marcell „Skyout“ Dietl kreieren Viren und Würmer,
um die digitale Welt – wie sie sagen – „sicherer“ zu machen. Aber auch sie wurden in der
Vergangenheit für ihre Aktionen zur Rechenschaft gezogen oder werden gar vom Staatsschutz beobachtet.
Deshalb wollen sie heute normale Anwender warnen und die eigene Community über Missbrauch aufklären.
Zudem erklären sie ganz nebenbei, warum Viren Kunst sein können und wie man als Hacker zu Geld kommen
kann. Ganz legal natürlich.
Eingesponnen sind diese vier Erzählungen in Begegnungen mit Paul Sebastian Ziegler. Vor der flimmernden
Kulisse Tokios findet man den jüngsten Hacker in einer Welt, die zwischen Realität und Netzwelt
kaum noch unterscheiden mag. Hier fühlt sich der junge Abiturient wohl und genießt die Freiheit,
zwischen Computerwelt und Metropolenleben zu oszillieren. Alexander Biedermann geht mit ihm durch
seine neue Heimat und gewinnt Einblicke in eine Persönlichkeit, die zwischen intellektuellen
Herausforderungen und ganz alltäglichen Selbsterfahrungen hin und her schwankt.
Anhand fünf eigenwilliger Persönlichkeiten entwirft Alexander Biedermann in seinem Debütfilm
ein filmisches Kaleidoskop, das einen modernen Mythos von innen heraus durchleuchtet und hinterfragt,
was es ausmacht, Hacker zu sein. Damals wie heute. Der Zuschauer erfährt, welche Freiheiten
und Konflikte mit den besonderen technischen Fähigkeiten des Hackers einhergehen, welche Widersprüche,
Motive und Identitäten sich im Leben zwischen Allmachtsgefühl und Missachtung entwickeln können.
Paul Sebastian Ziegler
Reinhard Schrutzki
Steffen Wenéry
Marcell „Skyout“ Dietl
Marko Rogge
| Regie |
Alexander Biedermann |
| Buch |
Alexander Biedermann, Matt Sweetwood |
| Kamera |
Peter Badel, Axel Rothenburg |
| Kamerassistenz |
Michael Senft |
| Schnitt |
Matt Sweetwood |
| Schnittassistenz |
Christoph Sturm |
| Mischung |
Kai Tebbel |
| Musik |
Klaus Schulze |
| Produktionsleitung |
Markus Simon |
| Produktionskoordinierung |
Anne Stephan |
| Produzent |
Olaf Jacobs |
| Redaktion |
Nicole Baum |
| Original-Titel |
Hacker |
| Aufnahmeformat |
HD-Cam |
| Sendeformat |
HD-Cam, DigiBeta und 35mm |
| Bildformat |
16:9 |
| Dauer |
79 Minuten |
| Sprachfassungen |
deutsch, deutsch mit englischen UT |
52. Internatinoales Leipzig Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, 2009