27. November 2018
22:05 Uhr
MDR

Was wurde aus der Volkspolizei?

„Die Polizisten brauchten Sicherheit“, so beschreibt Heinz Eggert, von 1991 bis 1995 sächsischer Innenminister, die Situation der Polizei in den Jahren nach der friedlichen Revolution. Die Kriminalitätsstatistiken meldeten dramatisch steigende Verbrechenszahlen bei gleichzeitig sinkenden Aufklärungsraten. Die Polizei war überfordert, ihre Ausstattung war noch auf dem Niveau der alten Volkspolizei. Mit altersschwachen Trabbis jagten die ehemaligen Volkspolizisten nun Bankräubern hinterher, die längst über PS-starke Westautos verfügten. Als Handlanger des alten Regimes wurden sie von Teilen der Bevölkerung beschimpft, manchmal gar nicht ernst genommen.  In Heimarbeit hatten die Polizisten zum Stichtag 3. Oktober 1990 die Hoheitszeichen der DDR von ihren Mützen und den Schriftzug „Volkspolizei“ von ihren Jacken entfernen müssen. Jetzt herrschte ein heilloses Durcheinander. Mancherorts wurden Schablonen ausgegeben und mit Textilfarbe malten die Ordnungshüter „Polizei“ auf ihre Hemden. Im Feierabend paukten sie die neuen Gesetze, die von nun an Grundlage ihres polizeilichen Eingreifens waren: „Was darf ich als Polizist, was darf ich nicht?“. Über allen von ihnen schwebte zudem das Damoklesschwert der Entlassung, denn sie wurden überprüft auf Mitarbeit, Zusammenarbeit mit der DDR-Staatssicherheit. Hatten Sie sich schuldig gemacht in den Jahren vor 1990? Hatten Sie Spitzeldienste ausgeführt, Gefangene misshandelt, sich in der Vergangenheit so verhalten, dass eine Übernahme in den Staatsdienst eines demokratischen Landes ausgeschlossen war?

Obwohl die Volkspolizei der DDR eine der entscheidenden Stützen des DDR-Regimes war, ist der Weg des nach NVA und Stasi dritten bewaffneten Organs der DDR in das vereinte Deutschland von der Öffentlichkeit bisher erstaunlich wenig beachtet worden. Für die Dokumentation „Was wurde aus der Volkspolizei?“ haben die Autoren Jan N. Lorenzen und Marianne Harr ehemalige Volkspolizisten aufgesucht und zu ihren Erfahrungen, Sorgen und Ängsten in den Jahren nach 1990 befragt. Entstanden ist ein Film, der das Bild einer zutiefst verunsicherten und dennoch für die Sicherheit zuständigen Organisation nachzeichnet und vom komplizierten und widersprüchlichen Anpassungsprozess ihrer Angehörigen an die neue Zeit erzählt.

Crew

Regie
Jan N. Lorenzen
Marianne Harr

Kamera
Stefan Wachner
Markus Stein

Ton
Ullrich Menges
Anabelle Powilleit
Daniel Liepke
Johannes Schneeweiß
Phil Becker

Schnitt
Michael Liss

Schnittassistenz
Philipp Kieseier

Mischung
Urs Hauck

Farbkorrektur
Christoph Sturm

Musik
Eike Hosenfeld
Moritz Denis
Tim Stanzel

Sprecher
Hans Henrik Wöhler

Produktion

Produktionsleitung
Jana Früh
Frank Seidel (MDR)

Produzent
Olaf Jacobs

Redaktion
Bettina Rudolph

Eine Koproduktion der Hoferichter und Jacobs GmbH mit dem MDR.
gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Ausstrahlungstermine

27. November 2018
22:05 Uhr
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