Die Frau mit dem Schleier

Eine Frau, vielleicht sechzig Jahre alt, reißt sich den Schleier vom Kopf. Zum ersten Mail in ihrem Leben zeigt sie öffentlich ihr Gesicht. Zum ersten mal sieht sie die Welt unverschleiert. Aufgenommen wurde das Bild 1924 oder 25 in einer der muslimisch geprägten, zentralasiatischen Republiken, die damals zum neuen Sowjetreich gehörten. Den Augenblick festgehalten hat Georgia Zelma, der berühmte sowjetische Revolutions- und Kriegsfotograf. Das Foto soll zeigen: Schaut her, die Große Sozialistische Oktoberrevolution ist auch eine Befreiungsbewegung für die unterdrückten muslimischen Frauen. Aber das Bild ist auch Ausdruck einer aktiven Handlung, es zeigt einen Akt der Selbstbefreiung.

Regisseur Jan Lorenzens begibt sich auf die Suche nach dem Ursprung eines Fotos und diese Suche führt ihn an die Grenze zu Afghanistan, nach Tadschikistian und Usbekistan, zu den Enkelinnen und Urenkelinnen der Frau von dem Foto. Sie leben heute wieder verschleiert, sind mittendrin in einem Prozess der Re-Islamisierung, einige von ihnen führen die Bewegung der Islamisten sogar an. Über vier oder fünf Generationen hinweg hat sich das Verhältnis und der Einfluss der Religionen mehrfach verkehrt.

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