22. November 2020
22:55 Uhr
MDR

Das Ende der NVA

Wie die Bundeswehr die DDR-Volksarmee übernahm

Ein Film von Michael Erler, Interviews von Matthias Hoferichter

Am 3. Oktober 1990 war die „Nationale Volksarmee“ Geschichte, so wie die gesamte DDR damals. Die Bundeswehr übernahm an diesem Tag alles noch vorhandene Personal, die Waffen, Ausrüstungen und Liegenschaften der NVA.

Seit ihrer Gründung im März 1956 war die Volksarmee eine zuverlässige Stütze des politischen Systems der DDR. Das gesamte Offizierskorps bestand aus SED-Mitgliedern. Über Jahrzehnte war die 180.000 Mann starke Truppe in ständiger Gefechtsbereitschaft, 85 Prozent der Soldaten mussten stets in den Kasernen anwesend sein.

Dennoch wurde die NVA während der Friedlichen Revolution 1989 nicht gegen das eigene Volk eingesetzt. Nach dem Mauerfall führte die DDR-Regierung unter Hans Modrow zum ersten Mal Reformen in der NVA durch. Politoffiziere wurden entlassen und 40.000 Soldaten und Unteroffiziere abgerüstet, die Wehrpflicht wurde auf ein Jahr reduziert und ein Wehrersatzdienst eingeführt.

Mit der ersten frei gewählten Regierung der DDR wird ein Pazifist und Waffendienstverweigerer, Rainer Eppelmann, Minister für Abrüstung und Verteidigung. Die NVA rüstet weiter ab, verlässt den Warschauer Pakt und viele Offiziere und Unteroffiziere sehen keine Perspektive mehr für sich in der Truppe. Dennoch bestehen Bundeswehr und Nationale Volksarmee relativ autark weiter nebeneinander her bis zum Tag der Wiedervereinigung Deutschlands.

Die Übernahme der NVA 1990 durch die Bundeswehr verläuft ohne Gegenwehr oder Proteste des Offizierskorps. Viele Standorte werden geschlossen, Waffen und Munition verschrottet oder verkauft, nur wenig wird übernommen. Schätzungen gehen von 10.000 ehemaligen NVA-Soldaten aus, die ihren Platz in der Bundeswehr fanden. Nie zuvor verschwand eine so mächtige Armee so unauffällig von der Militärbühne. Doch wie erlebte eine politisch besonders geprägte Gruppe der DDR-Gesellschaft, wie die Offiziere und Unteroffiziere der NVA die Zeit der Wiedervereinigung? Zu welchen persönlichen Herausforderungen und Anpassungen führte das? Und was wurde aus den einstigen Soldaten der NVA?

Der Film „Das Ende der NVA“ erzählt mit ausgewählten Zeitzeugen die Ereignisse und Erlebnisse beim Übergang von der NVA zur Bundeswehr, schildert ihre Erfahrungen beim Quittieren des aktiven Dienstes oder des Übergangs in eine neue militärische Welt.

Crew

Ein Film von
Michael Erler

Die Interviews führte
Matthias Hoferichter

Kamera und Ton
Bernadette Paassen
Andreas Mohnke
Anabelle Powilleit

Mischung
Wolfgang Liebig

Sprecher
Mirko Kasimir

Musik
Eike Hosenfeld
Tim Stanzel
Moritz Denis

Farbkorrektur
Maik Lezius

Produktion

Produktionsleitung
Sibylle Mansour
EvelynWenzel(MDR)

Produzent
Olaf Jacobs

Redaktion
Anaïs Roth (MDR)

Fotos und Archive
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur
Haus der Geschichte Bonn
Marek & Beier Fotografen
Bundeswehr

Dank an Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur

Eine Produktion der Hoferichter & Jacobs GmbH 
im Auftrag des MDR
2020

Ausstrahlungstermine

22. November 2020
22:55 Uhr
MDR