25. August 2015
22:30 Uhr
MDR
15. Juli 2017
11:30 Uhr
NDR

Geheime Solidarität

Der Fall der Mauer war noch keinen Monat alt, da stürmten Demonstranten aus Kavelstorf bei Rostock ein Gelände am Ortsrand. Als sie die dort befindlichen Lagerhallen betraten, trauten sie ihren Augen kaum. Ohne es zu ahnen waren sie auf ein geheimes Waffenlager des Koko-Imperiums von Schalck-Golodkowski gestoßen: Bis unter die Decke stapelten sich Sturmgewehre, Maschinenpistolen und palettenweise Munition. In diesem Moment wurde den Demonstranten klar: Die DDR war nicht so friedliebend, wie sie immer behauptet hatte, sie hat mitgemischt bei den Stellvertreterkriegen der Supermächte, sie hat Militärkader aus befreundeten Ländern und Kämpfer von Befreiungsbewegungen ausgebildet, sie hat Waffen in die Krisengebiete der Welt exportiert, und sie hat selbst Waffen entwickelt und hergestellt, um sie auf dem Weltmarkt gewinnbringend zu verkaufen.
 

Die Dokumentation schildert die Geschichte dieser „geheimen Solidarität“. Sie erzählt, wie die DDR im Sechs-Tage-Krieg 1967 zwischen Israel und der Vereinigten Arabischen Republik bereit war, den Verbündeten Ägypten und Syrien Kampfflugzeuge und Panzer zu liefern. Sie erzählt, wie ab 1977 Äthiopiens sozialistischer Diktator Mengistu Haile Mariam mit Waffen versorgt wurde, die dieser nicht nur zur Verteidigung des Landes, sondern auch zur Durchführung einer Terrorwelle gegen seine politischen Gegner und die Zivilbevölkerung einsetzte. Der Film erzählt, wie die DDR im Iran-Irak-Krieg ab 1981 beide Kriegsparteien gleichermaßen mit Waffen versorgte; wie im Auftrag von Alexander Schalck-Golodkowski ein Sturmgewehr mit dem in der NATO gebräuchlichen Kaliber entwickelt wurde, um Polizeikräfte und Militäreinheiten auszurüsten, unter anderem in Indien und Peru. Erstmals erzählt die Dokumentation auch, wie Guerillakämpfer des ANC aus Südafrika in einem geheimen Schulungsheim in Teterow in Mecklenburg für ihren Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime ausgebildet wurden.

Viele der für diese Dokumentation interviewten Zeitzeugen äußern sich erstmals vor einer Kamera. Ein DDR-Diplomat kommt ebenso zu Wort, wie ein an den Waffenentwicklungen beteiligter Ingenieur. Ägyptische Geheimdienstmitarbeiter und äthiopische Diplomaten äußern sich zu den Hintergründen der Waffengeschäfte mit der DDR und ein Gründungsmitglied des militärischen Armes des ANC berichtet freimütig von seinen Erfahrungen im DDR-Ausbildungscamp. Entstanden ist ein Film, der den vielleicht letzten Mythos der DDR zerstört: Ein friedliebender Staat, gar ein „Friedensstaat“, war die DDR nicht. „Die mit ihrem Solidaritätsgequatsche und Friedensgequatsche und dann dahinter Waffen handeln mit wirklich allen, die gerade welche brauchten“, resümiert einer der Anwohner aus Kavelstorf, die im Herbst 1989 das Waffenlager stürmten: „Über die DDR kann ich nur ein vernichtendes Urteil fällen.“

Crew

Buch/ Regie: Jan N. Lorenzen
Kamera: Michael Senft, Andreas Stahl, Manni van Andern, Tamrat Senbeto
Ton: Ulrich Menges, Konstanze Pehl, Clemens Barth, Estifanos Balcha
Schnitt: Markus Stein
Mischung: Urs Hauck
Musik: Moritz Denis, Eike Hosenfeld, Tim Stanzel
Sprecher: David Nathan
Recherche: Osama Fargahaly (Ägypten), Jörg Poppendiek (Südafrika), Tefera Gedamu (Äthiopien)
Fachberatung: Klaus Storkmann
Archiv: DRA, Norddeutscher Rundfunk, BStU, Bundesarchiv – Militärarchiv (Freiburg), Bundesarchiv (Berlin), informationsstelle südliches afrika e.V. (ISSA), critical past, Jürgen Sindermann

Dank an: DRK Bildungszentrum Teterow, Militärhistorisches Museum Dresden, Red Terror Martyrs Memorial Museum (Addis Ababa)
Produktionsleitung: Frank Seidel (MDR), Niki Kraus (Hoferichter & Jacobs)
Produzent: Olaf Jacobs
Redaktion: Silke Heinz

 

 

 

Produktion

© 2014 Eine Produktion der Hoferichter & Jacobs GmbH in Zusammenarbeit mit MDR / Arte

 

 

Ausstrahlungstermine

25. August 2015
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15. Juli 2017
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