1. Mai 2019
17:50 Uhr
MDR

Leben in der Friedensstraße – Zwischen Fleischerei und Männerballett

Friedensstraße, Straße des Friedens, Friedenstraße – im Osten Deutschlands ist das einer der häufigsten Straßennamen. Schaut man auf eine Landkarte, so kann man noch heute anhand der Verteilung dieser Straßen die ehemalige innerdeutsche Grenze nachvollziehen. In ganz Deutschland gibt es gut 1.600 Straßen mit diesem Namen. Rund 200 davon führen durch Sachsen-Anhalt.

Ein halbes Jahr lang haben wir mit dem MDR SACHSEN-ANHALT die Friedensstraßen in verschiedenen Orten besucht. Und zugehört: Was bewegt die Menschen, was macht ihr Leben aus, wofür setzen sie sich ein? So unterschiedlich die Antworten dabei auch sein mögen, eines haben alle Geschichten gemeinsam – sie spielen in den Friedensstraßen. Und an den „Lebensmittelpunkten“, wie Bäckerin Sybille Schreiber in Langeneichstädt ihr Geschäft nennt. Das Geschäft liegt genau auf der Friedensstraße. Regelmäßig kommt Bürgermeister Lutz Kloss vorbei: „Unsere Friedensstraße ist unheimlich lang. Da gibt es viele Geschichten zu erzählen“. Eben auch die von Sybille Schreiber, die seit 18 Jahren hier arbeitet: „Ich bin ja hier in Langeneichstädt auch groß geworden. Ich bin von Kindesbeinen hier!“

Wenige Meter weiter betreibt Marcel Schreiber seine Fleischerei: „Also, wenn nichts dazwischen kommt, bleibe ich hier auf der Friedensstraße, solange ich lebe!“. Sein Geschäft läuft gut, nur der Nachwuchs fehlt. Er erlebt damit, was ein bundesweiter Trend ist: Die Zahl der nicht besetzten Lehrstellen stieg von 2010 bis 2017 von 3,7 auf 8,8 Prozent. Doch das ist die pure Statistik. Was aber sagt das über das Lebensgefühl aus? Fleischer Schreiber zumindest sieht die Politik in der Pflicht: „Ich würde mir vom Staat wünschen, dass er kleine Betriebe mehr fördert.“

Der Film spiegelt die Lebenswirklichkeit der Menschen in Mitteldeutschland wieder: Karneval und Feuerwehr, Ehrenamt, demographischer Wandel oder stundenlanges Pendeln zur Schule. Nachwuchsmangel, Eingemeindung, das Warten auf Fördermittel oder Hartz IV. Über Daten und Fakten ordnet der Film ein, was die Menschen den Reportern erzählen.
Gemeinsame Interessen, das merken wir auf allen Straßen, schweißen zusammen. So auch in der nördlichsten Friedensstraße Sachsen-Anhalts, in Aulosen, im ehemaligen Sperrgebiet. Die Straße führte genau in den Westen. Heute leben hier Alteingesessene und Nachbarn aus Niedersachsen gemeinsam und haben eine ganz besondere innerdeutsche Kegelverbrüderung.

Der Film „Leben in der Friedensstraße – Zwischen Fleischerei und Männerballett“ zeigt die Bewohnerinnen und Bewohner der Friedensstraßen: Wer kennt eigentlich wen und was macht heute das Glück im Leben auf dem Land oder in der Stadt aus?

Und fast nebenbei wird auch in Erfahrung gebracht, wie die einzelnen Straßen zu ihrem Namen kamen – was sich an Geschichte, Herkunft und Wechsel hinter dem Straßenschild verbirgt.


Crew

Ein Film von Matthias Werner
Marianne Harr und André Berthold

KAMERA
Markus Janssen
Michael Damm
Nicolas Hecker
Heiko Schulze
Markus Stein

TON
Phil Becker
Andreas Blechschmidt

DROHNE
Daniel Liepke

SCHNITT
Oliver Wirth
Philipp Kieseier
Sven Riedel

POSTPRODUKTIONSKOORDINATOR
Ferenc Stobäus

MISCHUNG
Dirk Nebel

MUSIK
Eike Hosenfeld
Moritz Denis
Tim Stanzel

GRAFIK
Sebastian Peuker

RECHERCHE
Martin Kopplin

SPRECHER
Hans Henrik Wöhler

Produktion

PRODUKTIONSLEITUNG
Sabrina Volkmer
Michael Eckstein (MDR)

REDAKTION
Katrin Hartig
Ines Hoge-Lorenz

Eine Produktion der Hoferichter & Jacobs GmbH
im Auftrag des MDR Sachsen-Anhalt
© MDR 2019

Ausstrahlungstermine

1. Mai 2019
17:50 Uhr
MDR