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Treuhand – ein deutsches Drama

Ein Film von Tom Fröhlich und Michael Schönherr

Bitte beachten Sie auch das Online-Datenprojekt treuhand-mythos.de

Treuhand – das Wort ist bis heute emotionsgeladen: im Osten mehr wegen vermeintlich durch sie erfahrener Ungerechtigkeiten, im Westen wegen vermeintlich verschleuderter Milliarden. Wann immer heute Ost-Westvergleiche in Wahlergebnissen, Wirtschaftskraft oder Lebensbedingungen angestellt werden – die Treuhandanstalt soll für diese Unterschiede verantwortlich sein. Und tatsächlich offenbart sich bei genauer Betrachtung ein durchaus erstaunlicher Einfluss der vor 30 Jahren entstandenen Institution auf das heutige Ost-West-Klima.

Der Film führt in die höchsten Etagen der Frankfurter Skyline, aber auch tief in die Berge der Treuhandakten im Bundesarchiv. Die sollen endlich Aufschluss geben, ob die Institution ihren Ruf zurecht verdient. Einen Teil dieser Akten, die heute nach langjähriger Schutzfrist zugänglich sind, können die Filmemacher erstmals analysieren. Sie helfen, dem Mythos Treuhand auf die Spur zu kommen.

Deutschland im Jahr 2020 – von der Treuhand geprägt?

Wie sehr wird Deutschland im Jahr 2020 tatsächlich noch von der Treuhand geprägt? Ist die gefühlte Spaltung im Land tatsächlich von der Einrichtung angelegt, die vor genau 30 Jahren zum Hauptakteur und Maschinenraum der wirtschaftlichen Wiedervereinigung wurde?

Vier Jahre existierte die Treuhand von 1990 an. Sie sollte mit großer Geschwindigkeit die ostdeutsche Wirtschaft von der Plan- in die Marktwirtschaft überführen. Mit jedem Jahr ihrer kurzen Existenz verschlechterte sich ihr Image und nach ihrem Ende hat sich diese Entwicklung offenbar noch verstärkt. Dabei hat die Treuhand trotz erheblicher Skandale und Betrügereien die ihr gestellte Aufgabe in kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen.

Ein gesamtdeutsches Thema

Negative Erfahrungen haben dabei vor allem ältere Ostdeutsche, während die meisten jüngeren Westdeutschen die Treuhand nicht einmal kennen. Dabei ist die Treuhand bei Weitem kein ostdeutsches Thema. Scharen von Beamten, Juristen, Gutachtern und Insolvenzverwaltern leisteten damals „Aufbauarbeit“ im Osten und starteten ihre Karrieren in der einstmals größten Staatsholding.

Die Treuhandanstalt war ein einmaliges Versuchslabor der deutschen Wirtschaft, dominiert von westdeutschen Strukturen und Netzwerken mit politischen Vorgaben, die vor allem den westdeutschen Markt im Blick hatten. Ostdeutsche Spezifik über die Maßen zu berücksichtigen oder zu erhalten war nicht vorgesehen und zeitlich schlichtweg unmöglich.

Noch heute ist die Treuhand Wahlkampfthema im Osten

Und genau jenes Tempo scheint sich in der Nachbetrachtung zu rächen und ein Teil der Erklärung zu sein, warum die Treuhand bis heute „ein deutsches Drama“ geblieben ist. Sie wird zum Wahlkampfthema in ostdeutschen Regionen, die sich bis heute nicht von den wirtschaftlichen Folgen der Abwanderung erholt haben und auch Beteiligte fragen sich heute, ob es nicht auch andere Wege gegeben hätte.

Heute, 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, gehen Tom Fröhlich und Michael Schönherr auf Spurensuche in ganz Deutschland: in Unternehmen, die bis heute von der Treuhand profitieren und in die Regionen, die nach der Abwicklungen der alten DDR-Betriebe bis heute wirtschaftlich abgehängt sind und wo viele das Vertrauen in Marktwirtschaft und Demokratie verloren haben.

Crew

Ein Film von Tom Fröhlich und Michael Schönherr

KAMERA & DROHNE
Björn Kowalewsky

TON
Jakob Schneider
Jonathan Skorupa

SCHNITT
Maximilian Raible
Annina Wolf
Katrin Starenberg

GRAFIK
Yves Jates

SPRECHER
Frank Arnold
Ulrike Hübschmann

MISCHUNG
Wolfgang Liebig

FARBKORREKTUR
Maik Lezius

MUSIK
Eike Hosenfeld
Moritz Denis

RECHERCHE
Martin Kopplin

Produktion

PRODUKTIONSLEITUNG
Sibylle Mansour
Frank Seidel (MDR)

PRODUKTIONSASSISTENZ
Melanie Schoepf
Martin Blum

REDAKTION
Silke Heinz (MDR)
Astrid Harms Limmer (BR)
Kathrin Becker (NDR)

Eine Produktion der Hoferichter & Jacobs GmbH
im Auftrag von MDR / BR / NDR

Gefördert durch
NDR – Kulturförderung in Mecklenburg- Vorpommern

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2. März 2020
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