18. November 2020
20:15 Uhr
MDR

Was will der Osten?

Ein Film von Ariane Riecker

Das jahrelange Negativ-Bild des Ostens in den Medien ist zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden, es befördert die Polarisierung zwischen Ost und West. Vom Meckerer bis zum radikalen Populisten ist es nicht weit. „Was will der Osten?“ erzählt deshalb 30 Jahre nach der Wiedervereinigung von Ostdeutschen, die aus dem Erfahrungsschatz der radikalen Umbrüche der letzten 30 Jahre Ideen und Visionen für die Zukunft formulieren. Als Antwort auf die vermeintliche Spaltung in Ost und West, auf die Krise der Demokratie. Es sind sieben Geschichten aus Ostdeutschland, die deutlich machen: aus den Erfahrungen einer Gesellschaft, die sich radikal ändern musste, wachsen heute neue Ideen für ganz Deutschland.

Egal in welchen Bereich man schaut: Die ostdeutsche Wirtschaft ist kleinteiliger und schwächer als die westdeutsche, die Kapitaldecken sind dünner, die privaten Vermögen auch, der Anteil Ostdeutscher in der Top-Elite der Bundesrepublik ist nach wie vor verschwindend gering. Hinzu kommt Frauenmangel, hohe Abwanderung und Überalterung. Dazu der Verdruss vieler Ostdeutscher: 2019 antworten bei einer Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach auf die Frage „Glauben Sie, dass die Demokratie, die wir in Deutschland haben, die beste Staatsform ist?“ im Westen 77 Prozent der Menschen mit Ja. Im Osten hingegen stimmten nur weniger als die Hälfte der Menschen zu. Das Vertrauen in das System ist erschüttert. Die Pegida-Proteste in Dresden, die AfD-Wahlergebnisse oder aktuell der „Stille Protest“ an der B 96 lassen die Verständnislosigkeit zwischen Ost- und Westdeutschen weiter wachsen.

Aus dem Sichtfeld geraten dabei oft jene, die gerade deshalb fieberhaft nach Lösungen für all diese Probleme suchen: Eine der prägenden Geschichten des Films ist die des Bürgermeisters Dirk Neubauer aus dem kleinen Ort Augustusburg bei Chemnitz. Neubauer will mit Bürgerfonds, Bürgerräten und einer konsequenten Digitalisierung die ländlichen Regionen aus dem Zugriff der radikalen Rechten befreien. Er ist überzeugt, dass sich auf dem Land die Zukunft unserer Demokratie entscheidet.

Da sind die Robotik-Revolutionäre Maria und Christian Piechnik, die von Dresden aus die Welt erobern mit einem Unternehmen, das sie auch dem Bildungsvorteil Ostdeutschlands verdanken. Im Kontrast dazu die Geschichte einer Elterngruppe in Sachsen-Anhalt, die in den letzten zehn Jahren miterlebten mussten, wie Parteien und Parlamente im Osten den auch aus der Tradition der DDR geerbten Bildungsvorteil verspielten – und die jetzt für neue Modelle der demokratischen Teilhabe kämpfen.

Da ist die junge Journalistin und Autorin Valerie Schönian, die, geboren 1990 im Jahr der Einheit, in Diskussionen und Lesungen unermüdlich daran arbeitet, Ost und West wieder miteinander zu versöhnen. Und da sind zwei weitere erfolgreiche Ostdeutsche, der eine hat einen Weltkonzern im Westen saniert, der andere ist der einzige ostdeutsche Professor an der renommierten Handelshochschule in Leipzig: Beide fragen sich, ob unsere Verfassung, unser Grundgesetz wirklich noch gut genug ist für die Zukunft.

Bei aller Unterschiedlichkeit eint die Protagonisten: Sie wollen weiter, sie wollen ein moderneres, demokratischeres Deutschland für alle, die hier leben.

Crew

Regie
Ariane Riecker

Buch
Ariane Riecker
Dirk Schneider

Kamera
Thomas Keffel
Marc Voigt
Frank Menzel
Matthias Müller

Drohne
Thomas Keffel
Marc Voigt

Ton
Ullrich Menges
Toni Gräfe
Claus Störmer
Tobias Hametner
Ulrich Vollmer

Schnitt
Annina Wolf

Grafik
Ronald Grüner

Musik 
Eike Hosenfeld
Moritz Denis

Sprecher
Frank Arnold

Mischung
Marcus Wilhelm

Farbkorrektur
Ferenc Stobäus

Produktion

Produktionsleitung
Sibylle Mansour
Frank Seidel (MDR)

Produktionsassistenz
Martin Blum

Redaktion
Silke Heinz (MDR)

Redaktionsassistenz
Chantal Fretzer (MDR)

Eine Produktion der Hoferichter & Jacobs GmbH
im Auftrag des MDR
2020

Ausstrahlungstermine

18. November 2020
20:15 Uhr
MDR